Klosterkirche gefunden

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Helleres Mauerwerk (links/osten) zeigt das gotisch Chorfundament (Foto von Philipp Baumgarten)

Von dem 1114 durch Hirsauer Mönche gegründeten Kloster ist oberflächlich kaum noch etwas erhalten. Am Westrand der Anlage befindet sich aber noch das ehemalige Gästehaus des Klosters, welches weitgehend in seinem romanischen Ursprungszustand erhalten ist und damit eines der wertvollsten Baudenkmäler der Region ist.

Im Osten des Klostergeländes wurde vor 15 Jahren ein Teich angelegt, ohne dass dieser Bodeneingriff archäologisch begleitet werden konnte. Erst jetzt wurde es durch die geplante Erneuerung des Teiches und dem damit verbundenen Entfernen der Teichfolie möglich, einen Blick unter das Provisorium zu werfen. Die Arbeiten werden alle ehrenamtlich durch den Archäologen Holger Rode sowie das Vereinsmitglied Philipp Baumgarten  durchgeführt.

Schon beim Entfernen der Teichfolie kamen umfangreiche Mauerreste zu Tage, die die Erwartungen bei Weitem übertrafen! Indem das Kloster in den Jahren um 1660 zur Gewinnung von Baumaterial für den Neubau der Zeitzer Moritzburg vollständig abgebrochen wurde und trotz dreier archäologischer Untersuchungen im 19. Jahrhundert gab es noch immer keine Möglichkeit, die Lage der Klosterkirche und der Klosterbauten exakt im Gelände zu verorten.

Rekonstruktionsversuch mit Hilfe einer Grabungszeichnung von Gustav Sommer von 1874

In der Untersuchungsfläche wurde nun ein sehr großer Mauerblock angetroffen, der sich nach seiner Freilegung als der östliche Abschluss der Klosterkirche identifizieren ließ. Von diesem Ostabschluss ist nur das Fundament erhalten, woraus sich die Fußbodenhöhe innerhalb des Bauwerkes ermitteln lässt. Die angeschnittenen Erdschichten zeigen deutlich, dass diese Fläche zumindest bei den archäologischen Grabungen im Jahre 1874 bereits einmal geöffnet gewesen ist.

Mit dem aufgedeckten Fundamentblock wird es nun erstmals möglich sein, die genaue Lage der Kirche zu rekonstruieren. Von immenser Bedeutung ist dabei ein erst vor wenigen Jahren aufgefundener Plan des Klosters aus dem Jahre 1659, also unmittelbar vor dem Abbruch der Anlage. In diesem Plan finden sich genau die Details, die den aufgefundenen Fundamentblock eindeutig identifizieren.

In der kleinen Untersuchungsfläche wurde noch ein weiteres Fundament aufgedeckt. Es handelt sich um eine Setzung aus vermutlich aufgesammelten Sandsteinen. Momentan können noch keine Aussagen zum Alter und zur Bedeutung dieses Fundamentbefundes gemacht werden.

Plan von 1659 (Sächs. Hauptstaatsarchiv Dresden, Scan von Philipp Baumgarten)

Gegenwärtig werden die aufgedeckten Befunde vermessen und zeichnerisch dokumentiert. Damit wird die Grundlage geschaffen, die Klosterbauten im Gelände genau zu verorten und vielleicht eines Tages einmal im Areal in irgendeiner Form kenntlich zu machen. Der Posaer Berg erhält damit einen wichtigen Teil seiner Geschichte zurück.

(Foto von Philipp Baumgarten)

 

Ausschnitt aus dem Kupferstich von Merian aus dem Jahr 1650. Turmspitzen sowie das Dach des Langhauses sind bereits eingestürzt
Nach diesem Hirsauer Vorbild wurde die Posaer Kirche errichtet