GESCHICHTE

Vom Wandel des Sakralen

In einer fernen Zeit existierte das Kloster Posa mehr als 400 Jahre und in einer ebenso fernen Zeit hat es vor über 400 Jahren aufgehört zu existieren. Aber die vielen Geheimnisse um seine Entstehung, die Lage und Gestaltung der baulichen Anlagen, das klösterliche Leben mit seiner Strenge und in seinen ganz alltäglichen Abläufen nehmen uns noch immer gefangen und erwecken Geschichte und Geschichten.

Der Bergsporn Posa beheimatete bereits vor der Ankunft der kirchentreuen Missionare die slawische Gauburg Puonzowa und diente schon den vorchristlichen Völkern als rituelle Stätte und Kulturzentrum. Damals beschworen Druiden tellurische Ströme herauf, verstanden die Welt als holistische Einheit, als mythologisch personifiziert und opferten ihre Gaben, um die Götter gnädig zu stimmen.

Die Christianisierung des Gebiets

Im Zuge der Christianisierung der überwiegend slawischen Volksstämme entstehen in der Zeit vom 10. bis zum 14. Jahrhundert zahlreiche Klöster im mitteldeutschen Raum, von denen die ersten, wie auch Kloster Posa, auf beherrschenden Anhöhen, an Zugängen zu Furten oder wichtigen Wegkreuzungen von Handelswegen und Heeresstraßen liegen. 
Die Klöster der damaligen Zeit gleichen Festungen und sind von Mauern oder festen Einzäunungen umgeben, denn sie dienen nicht nur der wirtschaftlichen und finanziellen Verbesserung der Bistümer sondern vor allem auch der Missionierung der heidnischen Völker, mit denen es in dieser Zeit immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommt.

 In dieser martialischen Zeit des 12. Jahrhunderts wird 1114 das Kloster Bosau durch den damaligen Bischof Dietrich I. von Naumburg begründet und gestiftet. Dietrich I. war bereits der neunte Bischof im Bistum Naumburg-Zeitz. Den „Grundstein“ für sein Kloster lässt er durch eine hölzerne Kapelle legen. Den weiteren Bau der steinernen Klosterkirche mit den zugehörigen Klausurgebäuden überträgt Dietrich baukundigen Mönchen des Benediktinerordens aus dem Reformkloster Hirsau im Nordschwarzwald. Schnell erlangt das Kloster Posa beachtliche Besitztümer, die bis nach Riesa und Zwickau reichen, und einen weltlichen Einflussbereich sondergleichen. So bestätigt Kaiser Friedrich I. Barbarossa im 12. Jahrhundert urkundlich die unter seinem Schutz stehenden Besitzungen des Klosters

Das Kloster in seiner Blütezeit

Kennzeichnend für die Hochzeit des Klosters im Spätmittelalter war weiterhin das sogenannte Scriptorium, in dessen Funktion Bücher nicht nur geschrieben und kopiert, sondern auch hergestellt wurden. Der wohl bekannteste Posaer Mönch war der Chronist Paul Lang unter dessen Wirken zu Beginn des 16.  Jahrhunderts auch eine Chronik über das Bistum Naumburg-Zeitz entstand. Wie üblich zu Zeiten der Reformation, wurde auch Kloster Posa säkularisiert und damit dem Verfall der bisherigen orthodoxen klerikalen Werte und auch der sakralen Gebäude preisgegeben. Die alte Weltanschauung musste weichen und Platz machen für ein humanistisch-profanes Weltbild – ein Paradigmenwandel.

Das Individuum gewinnt an Bedeutung und verdrängt den Einflussbereich der Furie als göttliche Instanz. Alle Bemühungen das Kloster wiederzubeleben scheiterten. Der letzte Abt des Klosters bezog daraufhin eine Wohnung in der Kramergasse. Abt Urban stirbt am 15. Juni 1553. Beigesetzt wurde er wie seine Vorgänger in der damals noch bestehenden Kirche.

 

 

 

Vom Kloster zum landwirtschaftlichen Gut

100 Jahre nach der Auflösung des Klosters wurden auf Grund des desolaten Zustands der Gebäude die Gemäuer abgetragen und dienten als Material zum Bau des Schloss Moritzburg in Zeitz. Für die nächsten 400 Jahre verbleibt das ehemalige Kloster als landwirtschaftlich genutzte Domäne und untersteht fiskalisch den königlichen Administratoren. Heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, hat das Gelände des früheren Klosters einen neuen Pächter gefunden – Den Verein Kultur- und Bildungsstätte Kloster Posa. Nach dem Mantra “Kultur stiftet Identität” ist der Verein bestrebt die Kulturlandschaft Mitteldeutschlands zu bereichern, die Vernetzung und den Austausch in den Bereichen Kunst und Kultur sowie Natur und Umwelt zeitgenössisch und nachhaltig zu fördern.